Vom Protokoll bis zum Statusbericht: Wie KI unseren Projektmanager:innen den Rücken freihält

Zehn Stunden waren für die RACI-Matrix veranschlagt. Rollen sammeln, Zuständigkeiten abgleichen, Widersprüche klären, das Ergebnis in eine Form bringen, die der Kunde im Review versteht – in einem unserer PMI-Projekte ein realistischer Aufwand. Heute steht der erste Entwurf nach einem Prompt und fünfzehn Minuten. Eine Stunde später ist er finalisiert und geht in den Review.

Solche Zahlen klingen nach Automatisierungsversprechen, sind aber keins. Was wegfällt, ist die wiederkehrende Erststrukturierung, das Zusammentragen und Ordnen, bevor überhaupt jemand fachlich urteilen kann. Genau dort setzt KI im Projektmanagement sinnvoll an. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt davon unberührt.

Steuern und Entscheiden macht nur einen Teil der Projektarbeit aus. Der größere Teil ist unscheinbarer: Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammentragen, strukturieren und für verschiedene Zielgruppen aufbereiten. Für das Management anders als für das Team, für den Kunden anders als für den internen Lenkungskreis.

Erschwerend kommt hinzu, dass die relevanten Informationen selten an einem Ort liegen. Sie verteilen sich über Meeting-Notizen, E-Mails, Präsentationen, Jira-Tickets, Excel-Dateien und frühere Projektdokumente. Wer einen Statusbericht schreibt, sucht zunächst zusammen, bevor er bewerten kann.

Für unsere Projektmanager:innen hat sich dieser Teil der Arbeit spürbar verschoben. Das gilt nicht nur für die RACI-Matrix: Auch Prozessdiagramme in draw.io entstehen deutlich schneller, wenn die erste Fassung nicht mehr von Hand gebaut werden muss. Die Zeit, die dabei frei wird, geht in die strukturelle und inhaltliche Arbeit an den Prozessen selbst – dorthin, wo sie ohnehin hingehört.

Das Grundprinzip bleibt dabei unverändert: KI übernimmt nicht die Verantwortung des Projektmanagers. Sie erstellt eine Arbeitsgrundlage, die anschließend fachlich geprüft, priorisiert und bewertet werden muss.

Der naheliegendste Anwendungsfall ist zugleich einer der zeitaufwendigsten im Alltag: die Nachbereitung von Terminen. Aus einem Transkript oder aus ungeordneten Notizen entsteht ein erster strukturierter Protokollentwurf – Entscheidungen, Aufgaben und offene Punkte in nachvollziehbarer Form.

Was der Entwurf nicht leistet, ist die Prüfung. Sind alle relevanten Entscheidungen erfasst, sind die Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet, fehlen Abhängigkeiten oder Fristen? Und was ist mit den Eskalationspunkten, die im Termin angeklungen, aber nie ausgesprochen wurden? Diese Fragen beantwortet niemand außer der Projektmanagerin selbst.

Die KI protokolliert nicht besser als ein Mensch. Sie protokolliert schneller – und die gewonnene Zeit fließt in die inhaltliche Kontrolle.

Statusberichte sind ein zweites Feld, in dem sich die Informationsarbeit bündelt. Die Daten liegen vor – in Jira, in Excel, in Meeting-Protokollen, in den Rückmeldungen der einzelnen Workstreams. Eine KI kann diese Quellen entlang einer festen Struktur verdichten: aktueller Status, erreichte Meilensteine, offene Entscheidungen, Risiken und Abhängigkeiten, nächste Schritte.

Wie viel das ausmacht, zeigt ein laufendes Kundenprojekt, in dem wir mit einem externen technischen Dienstleister arbeiten. Der Dienstleister legt die Tickets auf Basis der Projektanforderungen in Jira an – 30 bis 50 Stück, die zeitlich geschätzt werden müssen. Bisher hat unsere Projektmanagerin das händisch gemacht. Heute liefert die KI eine grobe Schätzung, die im gemeinsamen Meeting mit den internen Kolleg:innen und dem Dienstleister validiert wird. Erst danach geht der Bericht zu Status und Deadlines an den Kunden. Die Ersparnis liegt bei zwei bis drei Stunden pro Woche – jede Woche, über die gesamte Projektlaufzeit.

Die eigentliche Leistung folgt danach. Welche Entwicklung ist berichtenswert, welche nicht? Wie wird derselbe Sachverhalt für das Management, für den Kunden und für das Team jeweils zugeschnitten? Diese Bewertung bleibt beim Projektmanager.

Manche der wertvollsten Informationen in einem Projekt stammen aus einem früheren. Welche Risiken traten bei vergleichbaren Rollouts auf, welche Lessons Learned wurden dokumentiert? Oft existieren sogar schon Templates, Entscheidungsvorlagen oder Projektpläne, auf die sich aufsetzen ließe.
Das Wissen fehlt selten. Es ist nur schwer auffindbar. McKinsey bezifferte den Anteil der Arbeitszeit, der für die Suche nach Informationen aufgewendet wird, bereits 2012 im Report „The social economy“ auf rund 20 Prozent. Atlassian kommt in „The State of Teams“ (2025) auf 25 Prozent. Dreizehn Jahre und eine ganze Werkzeuggeneration später liegt der Wert also eher höher als niedriger.
 
Hier zeigt KI eine ihrer Stärken: Sie findet vorhandenes Wissen und ordnet es in den jeweiligen Projektkontext ein. Aus einem Archiv, das niemand mehr durchsucht, wird eine Quelle, die im richtigen Moment antwortet.
Bei Aufwandsschätzungen greift dasselbe Muster wie beim Reporting. Die Angaben liegen verstreut vor, und bevor jemand fundiert schätzen kann, müssen sie in verständliche Arbeitspakete überführt werden – strukturiert nach Umfang, Abhängigkeiten, Annahmen, Risiken, benötigten Ressourcen und Auswirkungen auf den Zeitplan. Die Schätzung selbst bleibt beim Projektteam.
 
Bei Risiken und Abhängigkeiten haben wir das Potenzial vor allem im Rückblick gesehen. In Projekten tauchen über mehrere Sprints hinweg dieselben Themen auf: fehlende Verantwortlichkeiten, unklar geschnittene Arbeitspakete, Freigaben, auf die niemand gewartet hat, bis sie fehlten. In den Retros lautete die Diagnose jedes Mal gleich: Das hätte man früher sehen können.
 
Die Informationen waren vorhanden, nur nicht ausgewertet und im Projektteam zentral für alle Projektmanager zugänglich. Hätten wir die Projektunterlagen einer KI mit der Frage vorgelegt, welche Risiken für den Go-Live entstehen, wäre ein Teil dieser Punkte vermutlich vorher aufgefallen, und Maßnahmen wären früher möglich gewesen. Was die KI dabei liefert, ist eine Liste von Kandidaten, keine Risikobewertung.
 
Der naheliegende nächste Schritt wäre, die Erkenntnisse aus den Retros in beispielsweise einer Confluence-Seite zu bündeln und künftigen Projekten samt KI-Zugriff zur Verfügung zu stellen. Auch wir lernen hier mit jedem Projekt dazu.
Damit KI im Projektalltag verlässlich hilft, braucht sie einen festen Ort und nicht ein weiteres Tool neben zwanzig anderen. Bei GRAYOAK ist das GO AI, unsere interne KI-Plattform. Mitarbeitende greifen dort auf spezialisierte Assistenten für konkrete Aufgaben zu. Die Assistenten sind durchsuchbar, in Sichtbarkeit und Rolle klar geregelt und für jeden im Unternehmen einfach auffindbar.
 
Unsere Projektmanager:innen nutzen darüber hinterlegte Projektvorlagen, Guidelines und Dokumente, strukturierte Meeting Minutes, die Zusammenfassung umfangreicher Projektinformationen und Statusberichte für unterschiedliche Zielgruppen. Dazu kommt der Zugriff auf Organisations- und Projektwissen – mit quellenbasierten, nachvollziehbaren Antworten, die sich zurückverfolgen lassen. Perspektivisch entstehen standardisierte Assistenten für Statusberichte, Risikobewertungen, Workshop-Vorbereitungen und Lessons Learned.
Der rote Faden durch alle fünf Anwendungsfälle ist derselbe: KI übernimmt die zeitaufwendige Erststrukturierung, nicht die fachliche Entscheidung. Zehn Stunden RACI-Matrix werden zu gut einer Stunde, zwei bis drei Stunden Ticketschätzung fallen pro Woche weg. Der Hebel ist damit keine spektakuläre neue Fähigkeit, sondern eine nüchterne Arbeitsteilung.
 
Für Projektmanager:innen und PMOs ist das weniger eine Frage der Technologie als eine der Organisation. Welche wiederkehrenden Aufgaben lassen sich verlässlich vorstrukturieren, und wie werden die Ergebnisse geprüft? Wer diese Fragen beantwortet, macht aus einem Werkzeug einen festen Bestandteil des Projektalltags.